Funkennarrenbrunnen

Wie Andernach nach über 570 Jahren Fastnachtsgeschichte zu einem Narrenbrunnen kam.

Man schreibt das Jahr 1988. Andernach, eine der ältesten Städte Deutschlands feiert ihren 2000. Geburtstag. Die ganze Stadt und alle Bürger feiern mit und sind aufgerufen, einen Beitrag zu den Feierlichkeiten zu leisten. Die Fidelitas 1893 Blaue Funken, die älteste Andernacher Karnevalsgesellschaft, hat eine ganz besondere Idee.

„Von den Zeiten der Gründung unserer Stadt bis in die heutige Zeit gibt es viele Denkmäler, Dokumente und Hinterlassenschaften, die alle die Stürme der Zeit überstanden haben und uns heute Zeugnis über die jeweiligen Zustände in unserer Stadt geben. Wir leben heute in einer friedvollen und eigentlich recht guten Zeit und wollen den uns nachfolgenden Generationen auch ein dauerhaftes Zeugnis über ein schon seit Jahrhunderten in unserer Stadt gepflegtes Brauchtum hinterlassen“ so begründete der damalige Kommandant Heiner Lohner gegenüber den Mitgliedern der Gesellschaft den Entschluss des Vorstandes, der Stadt Andernach zum Geburtstag einen Narrenbrunnen zu schenken. Der Vorstand setzte sich damals aus dem Vorsitzenden Heiner Lohner, dem Adjutanten Hans-Helmut von Umbscheiden, dem Geschäftsführer Günter Ohlig sowie dem Schatzmeister Hartmut Dietz zusammen.

Was jedoch bei vielen Mitgliedern zunächst heftigen Widerstand gegen dieses Vorhaben hervorrief, wurde seitens der Stadtverwaltung gleich mit großer Freude aufgenommen und befürwortet. Bevor der heutige Standort in der Bahnhofstraße jedoch feststand, schlug die Stadtverwaltung zunächst einen Platz neben dem „neuen Rathaus“ - also auf dem Durchgang zum Stadthausplatz - vor. Dass der Narrenbrunnnen doch nicht dorthin kam, kommentierten die Karnevalisten mit der Bemerkung, dass die Verwaltung kein „DENK Mal“ neben dem Rathaus wollte.

Finanziert wurde das Vorhaben mit dem Verkauf von sogenannten Bausteinen in Form einer Urkunde. Jeder, der eine Urkunde erwarb, wurde namentlich auf einer gesonderten Urkunde verewigt, die bei der Inbetriebnahme des Brunnens und der Übergabe an die Stadt zusammen mit einem Pfennig sowie der Tagesausgabe der Rhein-Zeitung in eine Patrone gelegt wurde, die dann wiederum im Grundstein eingemauert wurde. Die Nachfrage – vor allem bei den alten Andernachern – war riesengroß. Jeder, gleichgültig welchem Corps er auch angehörte, wollte natürlich, dass auch sein Name auf der Urkunde erschien und auf ewige Zeiten neben dem Brunnen eingemauert wird. Architekt Hans H. Breuch, der schon so viele Karnevalsorden, Prunkwagen und Urkunden entworfen hatte, lieferte den Entwurf für den Brunnen und zeichnete sowohl die Urkunde mit den Namen der Spender als auch die Urkunde für den sog. Baustein. Die Firma Netz und Hardy wurde mit der Ausführung der Bildhauerarbeiten beauftragt. Ein besonderes Lob gebührt dem damaligen Bürgermeister Rainer Krämer, da es ihm zu verdanken ist, dass der Brunnen auch tatsächlich Wasser speit und das zur Überraschung der Vorbeigehenden alle 15 Sekunden.

Am 30.April 1988 war es dann soweit, einige hundert Zuschauer und natürlich das ganze Corps der Blauen Funken waren dabei, als der damalige Oberbürgermeister Dr. Küffmann und Kommandant Heiner Lohner das riesengroße Leinenlaken von dem Brunnen zogen und das Wasser zum Spucken frei gaben. Die Andernacher waren begeistert und hatten auch gleich einen Namen für den in Stein gehauenen Funken, nämlich „de Binse Leo“, der den alten Andernachern wegen seiner Art des Spuckens noch in bester Erinnerung war.

Ja, und seit dieser Zeit hat Andernach nun seinen Narrenbrunnen, der schon so manchen unwissenden Fremden oder auch Andernacher mit seinem Wasserstrahl überrascht hat und es gibt kaum einen Fremden, der den Brunnen nicht auf einem Foto festhält. Im Internet kann man den Brunnen im Rahmen einer Bilderreise von Köln bis Mainz sogar als „Münchhausen-Brunnen“ entdecken.